Workshop-Themen & Methoden

Die Palette an möglichen Themen für einen YEP-Workshop ist groß. Die folgende Übersicht soll Ihnen daher helfen, einen ersten Eindruck zu gewinnen, welche Themen in der Vergangenheit bereits erfolgreich von den YEPs umgesetzt wurden. Neben einer kurzen Beschreibung des Themas finden Sie auch detaillierte Informationen über die jeweils eingesetzten Methoden.

Die Autorinnen und Autoren bzw. die YEPs, die die Übungen modifiziert und erprobt haben, sind in den Anleitungen genannt (unter den jeweiligen Links).

Migration und Integration, Flucht und Asyl in der Europäischen Union

Die Zuwanderungspolitik sowie der Umgang mit Asylsuchenden und Geflüchtete gehören zu den sensiblen Bereichen, in denen die EU-Mitgliedstaaten nur sehr ungern Kompetenzen abgeben. Ursprünglich spielte dieser Bereich darum auf europäischer Ebene auch keine große Rolle. Angesichts offener Grenzen im Zuge der Schaffung des Binnenmarkts und der aktuellen Situation wurde jedoch deutlich, dass hier eine engere Zusammenarbeit erforderlich ist. Über die letzten zwei Jahrzehnte ist die gemeinsame Migrations- und Asylpolitik zu einem wichtigen Politikfeld der EU geworden. Einheitliche Vorgaben für die Asylpolitik der Mitgliedstaaten sowie die gemeinsame Sicherung der EU-Außengrenzen sind nur zwei Beispiele hierfür. Zudem koordiniert die EU die Rechte und Ansprüche der Menschen, die innerhalb des Binnenmarkts von ihrem Recht auf grenzüberschreitende Freizügigkeit und Niederlassungsfreiheit Gebrauch machen. Zahlreiche EU-Programme haben das Ziel, Mobilität und Integration innerhalb der Europäischen Union zu fördern.

Zum Thema „Flucht“ wurden von den YEPs die bekannte Tabu-Methode angepasst und ein Planspiel entwickelt.

EU-Mechanik – Strukturen, Organe und Kompetenzen der EU

Über die letzten sechs Jahrzehnte hat sich ein dichtes Geflecht von gemeinsamen Normen und Institutionen herausgebildet, das Staaten in einer bisher ungekannten Weise miteinander verbindet. Ein gemeinsamer Markt, eine gemeinsame Währung, die Unionsbürgerschaft und gemeinsame Politiken in vielen Bereichen sind Ausdruck des erreichten Integrationsstandes. Der Einfluss der Europapolitik auf unser alltägliches Leben ist im Laufe der Zeit kontinuierlich angewachsen. Es gibt nur noch wenige Lebensbereiche, die nicht auch durch Normen und Politiken der europäischen Ebene beeinflusst werden. Für welche Aufgaben ist die Europäische Union zuständig und wie kommen „EU-Gesetze“ zustande? Hat die EU eine Regierung und was ist mit dem sogenannten „Demokratiedefizit“ europäischer Entscheidungsprozesse gemeint? Anhand spannender Impulsvorträge, konkreter Beispiele und spielerischer Methoden vermitteln die YEPs Euch, wie Europapolitik im institutionellen Dreieck von EU-Kommission, Ministerrat und Europäischem Parlament funktioniert. Und welche Rolle andere EU-Institutionen, wie zum Beispiel der Europäische Gerichtshof oder die Europäische Zentralbank, spielen.

Europas Rolle in der Welt

Ein Bund von 28 Staaten, über 500 Millionen Menschen, mehr als ein Viertel der Weltwirtschaftsleistung, ein Sechstel der globalen Treibhausgasemissionen, größter Entwicklungshilfegeber, … – es gibt viele Gründe, warum die Europäische Union ein wichtiger globaler Akteur geworden ist. Noch 1998 urteilte der damalige US-Senator Jesse Helms: „Bei allem Respekt für unsere Freunde in Europa. Aber die Europäische Union könnte sich gegenwärtig nicht einmal aus einer nassen Papiertüte heraus kämpfen.“ Wirtschaftlich ein Riese, politisch ein Zwerg in der Weltarena – stimmt das auch heute noch? Die ersten Versuche einer gemeinsamen Außenpolitik reichen über 40 Jahre zurück. Mit dem Vertrag von Lissabon hat die EU 2009 eine eigene „Außenministerin“ und einen Auswärtigen Dienst erhalten. Die YEPs nehmen Euch mit auf eine Erkundungstour zur EU-Außenpolitik.

Bildung & Mobilität in Europa

Gerade für junge Menschen bieten die Bildungs- und Mobilitätsprogramme der Europäischen Union vielfältige Möglichkeiten. Doch vielen sind diese Programme unbekannt. Die YEPs stellen Euch unterschiedliche Wege ins EU-Ausland vor: vom Europäischen Freiwilligendienst, über Möglichkeiten eine Zeit lang an einer Schule oder Universität in einem anderen Land zu lernen, grenzüberschreitend ein Praktikum oder einen Arbeitsplatz zu suchen, bis hin zu aus EU-Mitteln geförderten internationalen Jugendbegegnungen.

Europäische Energie- & Klimapolitik

Die Folgen des Klimawandels, steigende Energiepreise sowie die zunehmende Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten aus zum Teil politisch instabilen Herkunftsregionen haben dazu geführt, dass Energie- und Klimapolitik auf der europäischen Agenda eine wichtige Rolle spielt. Gemeinsam haben sich die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten eine Reihe von Zielen gesetzt, die sie bis zum Jahr 2020 erreichen wollen. Weniger Treibhausgasemissionen, mehr Effizienz bei der Verwendung von Energie und deutlich mehr erneuerbare Energien im europäischen Energiemix gehören dabei zu den Kernanliegen. Was kann die Europäische Union tun, um verbindliche Regeln auf globaler Ebene zu schaffen oder auch um die Energiewende in Deutschland zu unterstützen? Die YEPs nehmen Euch mit auf eine Reise in die EU-Energie- und Klimapolitik.

Wahlen zum Europäischen Parlament

Es ist ein Paradox: Auf der einen Seite hat das Europäische Parlament seit seiner Schaffung mit jeder Reform der EU-Verträge mehr Einfluss erhalten und entscheidet heute in fast allen Bereichen der EU-Rechtsetzung praktisch gleichberechtigt zu den Vertretern der EU-Regierungen im Ministerrat. Auf der anderen Seite hat die Beteiligung an den Wahlen zum Europäischen Parlament im gleichen Zeitraum stetig abgenommen. Beim letzten Mal waren weniger als 43% der Wahlberechtigten an den Urnen. Im Mai 2014 ist es wieder soweit! Die YEPs erklären Euch auf spielerische Weise, was das Europäische Parlament heute zu sagen hat und wie aus der Wahl schließlich die 751 Mitglieder hervorgehen, aus denen sich das EP ab 2014 zusammensetzt.

Werte und Identität

„Wer bin ich und wenn ja wie viele?“ Was die Europäische Identität im Kern ausmacht, ist Gegenstand vieler kontroverser Debatten. Übereinstimmung besteht jedoch, dass die Europäische Union nicht nur ein politischer Bund, ein einheitlicher Rechtsraum oder ein gemeinsamer Markt ist – sondern dass ihr gemeinsam geteilte Werte zu Grunde liegen. Kernelemente des europäischen Wertegefüges sind sicherlich die parlamentarische Demokratie, Rechtsstaatlichkeit sowie die Achtung der Menschenrechte und der Rechte von Minderheiten. Auch das gleichzeitige Bekenntnis zur Marktwirtschaft, zu nachhaltiger Entwicklung und zu sozialem Zusammenhalt teilen wir miteinander. Seit dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags hat die EU einen der modernsten Grundrechtekataloge – der für alle Entscheidungen der EU-Institutionen verbindlich ist. Ihr wollt Euch Gedanken darüber machen, wie Europa Eure Identität bereichert oder welche Grundrechte Ihr in der EU habt? Die YEPs machen sich mit Euch auf zu einer spannenden Erkundungsreise zu diesen und anderen Fragen rund um die Wertegemeinschaft EUropa.

Grenzen und Erweiterung der EU

Die Europäische Integration war über die letzten Jahrzehnte nicht nur durch politische Vertiefung und Fortentwicklung gekennzeichnet, sondern auch in geografischer Sicht ein dynamischer Prozess. In mehreren Erweiterungsrunden hat sich die Europäische Union von ursprünglich sechs auf nunmehr 28 Mitgliedstaaten vergrößert. Die Türkei, Island, Montenegro, Mazedonien und Serbien sind Beitrittskandidaten und weitere Länder haben bereits ihren Wunsch geäußert, in die EU aufgenommen zu werden. Wo liegen die Grenzen des „Projekts Europa“? Definiert sich Zugehörigkeit über die geografische Lage, gemeinsam geteilte Werte oder den politischen Willen, Teil der europäischen Staatengemeinschaft zu sein? Welche Länder sollten bzw. können in der Zukunft noch aufgenommen werden? Werden heutige Mitgliedstaaten, wie z.B. Großbritannien, die EU wieder verlassen? Die YEPs untersuchen mit Euch die Grenzen des heutigen und künftigen Europas.

Europäische Wirtschafts- und Währungsunion / Die „Schuldenkrise“

Die „Eurokrise“ bzw. „EU-Schuldenkrise“ begleitet uns nun schon seit einigen Jahren – sie ist in den Medien ständig präsent. Aber um was geht es eigentlich bei dieser Krise? Wer oder was steckt in der Krise? Was sind die Ursachen für die Schieflage der öffentlichen Haushalte? Warum sind einige Mitgliedstaaten sehr stark davon betroffen und andere kaum? Was macht die EU, um die Krise zu bewältigen? Auch wenn Ihr keine Ökonomen seid: nach einem YEP-Workshop zu diesem Thema, kennt Ihr die wichtigsten Ursachen und Zusammenhänge – so dass Ihr sie auch Freunden und Bekannten weitererzählen könnt. Zudem vermitteln Euch die YEPs, was ursprünglich die Beweggründe für die Schaffung einer gemeinsamen Währung waren, welche Vorteile – aber auch Risiken – mit ihr einhergehen, worin die Rolle der Europäischen Zentralbank besteht und wie die Wirtschafts- und Währungsunion funktioniert.

EU-Haushalt

Der Haushalt ist das finanzielle Instrument, mit dem die Europäische Union ihre Politik umsetzt und die Verwirklichung ihrer Ziele verfolgt. Die Einkünfte und die Ausgaben der EU sind einem kontinuierlichen Wandel unterworfen, der im Grunde die Entwicklung der Staatengemeinschaft illustriert. Letztlich lassen sich die entscheidenden Phasen der Europäischen Integration auch am EU-Haushalt ablesen: Binnenmarkt, Erweiterung, Europa als globaler Akteur – all diese Entwicklungen haben auch die Ausgabenstruktur der EU verändert. Die aus dem EU-Haushalt finanzierten Maßnahmen oder Projekte spiegeln wider, was die Regierungen der Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament für besonders wichtig halten. Auch wenn die absoluten Beträge sehr hoch klingen, das EU-Budget macht aber lediglich rund 2,5% der jährlichen öffentlichen Ausgaben in der EU aus – die Kommunen, Regionen und Mitgliedstaaten verfügen über wesentlich mehr finanzielle Mittel. Also wie viel Geld steht der EU eigentlich jährlich zur Verfügung, woher kommt es und wofür wird es ausgegeben? Ist Deutschland wirklich der Zahlmeister der EU? Die YEPs bieten Euch Orientierung im europäischen Kosmos der Zahlen und Finanzen.

Text: Sascha Meinert, Michael Stollt – Institut für prospektive Analysen (IPA)

Redaktion: Svetlana Alenitskaya (bpb), Sandra Isenburg, Vera Katzenberger und Michael Rosenthal (YEPs)